{"id":8197,"date":"2019-07-24T17:48:26","date_gmt":"2019-07-24T15:48:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.artificialis.eu\/?p=8197"},"modified":"2019-07-24T17:48:26","modified_gmt":"2019-07-24T15:48:26","slug":"jurgen-waller-the-people-did-not-want-to-be-reminded-to-this-german","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.artificialis.eu\/?p=8197","title":{"rendered":"J\u00fcrgen Waller &#8211; The people did not want to be reminded to this (German)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><em><span style=\"font-size: 18pt;\">J\u00fcrgen Waller \u201eDie Leute wollen da gar nicht dran erinnert werden.&#8221;<\/span><\/em><\/p>\n<p><em>Republished interview from July 2010<\/em><\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.artificialis.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Waller7jpg.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-8204\" title=\"J\u00fcrgen Waller im Juli 2010 in Vallauris, S\u00fcd-Frankreich\" src=\"https:\/\/www.artificialis.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Waller7jpg-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"117\" height=\"117\"><\/a>J\u00fcrgen Waller, Maler, Keramiker und Objektmacher hat 1978 im Bremer Stadtteil Gr\u00f6pelingen mit Studierenden der Bremer Hochschule f\u00fcr K\u00fcnste drei Au\u00dfenw\u00e4nde des Bunkers Pastorenweg gestaltet. Das Thema ist die Geschichte des Stadtteils Gr\u00f6pelingen und der Werft AG-Weser von 1878 bis 1978. Im Juli 2010 hatte ich Gelegenheit mit ihm \u00fcber dieses Historienbild im \u00f6ffentlichen Raum zu sprechen. Wir trafen uns in einem Caf\u00e9 in Vallauris (S\u00fcdfrankreich), wo er seinen Zweitwohnsitz hat.<em><br \/>\n<\/em><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"Oobj410\">\n<div id=\"Grtf375\" class=\"dfltt\">\n<div align=\"justify\">\n<div id=\"Oobj360\">\n<div id=\"Grtf321\" class=\"dfltt\">\n<div align=\"justify\">\n<p><span class=\"fsx05\" style=\"font-family: Arial;\"><b><i><a style=\"font-family: Georgia, 'Times New Roman', 'Bitstream Charter', Times, serif;\" title=\"\" href=\"https:\/\/www.artificialis.eu\/artificialisold\/image\/andermatt,jrg_kornhre_1976_hardenbergstrae_2001.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" title=\"Andermatt, J\u00fcrg:&nbsp; Korn\u00e4hre 1977 Bremen Neustadt Hardenbergstra\u00dfe\" src=\"https:\/\/www.artificialis.eu\/artificialisold\/image\/obj363geo324pg27p9.jpg\" alt=\"\" width=\"197\" height=\"300\" name=\"Ggeo324\" border=\"0\"><\/a>Astrid Gallinat:<\/i><\/b><i>&nbsp;Als Du 1977 an die&nbsp; Bremer Hochschule f\u00fcr K\u00fcnste kamst, gab es das&nbsp;<span style=\"color: #2c80aa;\"><a style=\"color: #2c80aa;\" href=\"https:\/\/www.artificialis.eu\/artificialisold\/de-Kunst%20oeR%20Bremen.html\">Programm \u201eKunst im \u00f6ffentlichen Raum&#8221;<\/a><\/span>&nbsp;bereits seit vier Jahren in Bremen. Wie hatte sich die Kunst im \u00f6ffentlichen Raum bis dahin entwickelt? Was war da passiert?<\/i><\/span><\/p>\n<p><b>J\u00fcrgen Waller:&nbsp;<\/b>Urspr\u00fcnglich haben die Verb\u00e4nde daf\u00fcr gek\u00e4mpft. 73 war der Durchbruch mit der ber\u00fchmten 2%-Kunst-am-Bau-Klausel und deren Umsetzung. Jedoch richteten sich diese 2 % an Neubauten.<\/p>\n<p>Bremen hatte im Gegensatz zu vielen anderen St\u00e4dten &#8211; weil es auf Sand gebaut war oder ist &#8211; kaum Tiefbunker, sondern die Hochbunker. Das sind ja riesige Betonw\u00e4nde. Und Bremen hat dann ein Model entwickelt, dass mit dem Geld dieser 2 % K\u00fcnstler diese Bunker versch\u00f6nerten.<\/p>\n<p><span class=\"fsx05\" style=\"font-family: Arial;\">Das erste Projekt war f\u00fcr irrsinnig viel Geld die Gestaltung des Bunkers Hardenbergstra\u00dfe. Dieser Bunker wurde dann mit einer \u00c4hre bemalt. Der K\u00fcnstler kriegte daf\u00fcr glaube ich 80 oder 90.000 Mark, also es war irrsinnig viel Geld \u2026<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\"><a title=\"\" href=\"https:\/\/www.artificialis.eu\/artificialisold\/image\/stuzmann,hermann_liebe_herta_1977_halmerweg_2001.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" title=\"Stuzmann, Hermann&nbsp; Liebe Herta! Nie wieder Krieg haben wir ge... 1977, Bremen, Halmerweg\" src=\"https:\/\/www.artificialis.eu\/artificialisold\/image\/obj367geo328pg27p9.jpg\" alt=\"\" width=\"307\" height=\"405\" name=\"Ggeo328\" border=\"0\"><\/a>Dann war es, meiner Kenntnis nach oder meiner Erinnerung nach, das erste sagen wir etwas politische Bild von Hermann Stuzmann mit dem Brief \u201eLiebe Herta! &#8230;&#8221; also, dass es wie ein Notizblock aussah. Es gab dann furchtbar viele Widerst\u00e4nde und diese urspr\u00fcngliche Fassade wurde nicht bemalt, sondern musste ausweichen auf einen anderen Bunker. Dann gab es auch keine Diskussion mehr.&nbsp;<\/span><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"Oobj367\"><span style=\"font-family: Arial;\">Fr\u00fcher gab es in den Stadtteilen die Stadtteilbeir\u00e4te. Die stellten diese Projekte \u00f6ffentlich vor. Man nannte das so wundersch\u00f6n Demokratisierungsprozess, was aber Quatsch war, weil die Leute kamen da ja gar nicht hin, die schimpften immer nur, wenn es dann da war.<\/span><\/div>\n<div id=\"Oobj368\">\n<div id=\"Grtf330\" class=\"dfltt\">\n<div align=\"justify\">\n<div id=\"Oobj368\">\n<div id=\"Grtf330\" class=\"dfltt\">\n<div align=\"justify\"><span class=\"fsx05\" style=\"font-family: Arial;\">Als ich an die Hochschule kam, da gab es ein Projekt. Projekte sind immer gut f\u00fcr Studenten, die nicht studieren wollen, hinter Projekten kann man sich immer gut verstecken. Die Studenten machten f\u00fcr diesen Bunker da in Gr\u00f6pelingen, so eine Stadtteilbefragung, wie sich der Stadtteil ver\u00e4ndert hat, und gruben dann eben einiges aus. Zum Beispiel dieses Denkmal zu Ehren der Gefallenen der R\u00e4terepublik, was die Nazis abgerissen haben, vernichtet haben. Damit fingen sie an, ein furchtbares Wandbild zu konzipieren. Ich hab mir das dann angeguckt und gesagt \u201eDas geht so nicht!&#8221; Da gab es erstmal Studentenprotest, weil die wollten eben was machen, von dem ich \u00fcberzeugt war, dass es keine zwei Jahre \u00fcberdauernd.<\/span><\/div>\n<div align=\"justify\">&nbsp;<\/div>\n<div align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Ich habe dann ein Konzept gemacht und das einer Jury vorgestellt, in der so Leute sa\u00dfen wie Uwe Schneede von der&nbsp; Hamburger Kunsthalle usw.&nbsp; Anschlie\u00dfend habe ich quasi die Studenten angestellt, um das Bild zu malen. D.h. wenn die fertig waren, nachmittags um vier, hab ich mich hingesetzt oder hingestellt und habe quasi korrigiert, das richtig gemalt.&nbsp;<\/span><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"Oobj369\">\n<div id=\"Grtf331\" class=\"dfltt\">\n<div align=\"justify\">\n<p>Am Anfang waren die Leute unheimlich dagegen. Aber als es dann fertig war, kam das Fernsehen von \u00fcberall her, auch die BBC London, und dann fanden sie das auf einmal ganz gut. Da war \u00d6ffentlichkeit hergestellt und es wurde dann zu einer Art Pilgerst\u00e4tte. Im vorletzten Jahr, also nach 30 Jahren, habe ich das Ding restauriert, weil die Stadt es verkommen lie\u00df. Ich musste die fast verklagen. Aber jetzt steht es mittlerweile unter Denkmalschutz.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div align=\"justify\"><i>A.G.: Dazu habe ich nachher noch ein paar Fragen. Aber erstmal m\u00f6chte ich nochmal an den Anfang zur\u00fcck kommen. Du hast ja gerade gesagt, dass es neben dem Mutterdenkmal nicht so viel Kunst im \u00f6ffentlichen Raum in Bremen gab, die wirklich politisch motiviert war. Ich habe mal nachgeschaut: 78\/79 kam dann doch ein bisschen mehr dazu.<\/i><\/div>\n<div align=\"justify\">\n<p><strong>J.W.:<\/strong> Ja, das war die Folge dieses Wandbildes. Es war damals so, dass auch die Politik solche Forderungen stellte und merkte, dass man Bunker nicht einfach wegstreichen kann, sondern dass ein Bunker einen bestimmten Sinn und Zweck erf\u00fcllt, auf den man hinweisen sollte.<\/p>\n<p><i>A.G.: Kann man das auch irgendwie in Zusammenhang mit dem deutschen Herbst (1977) sehen? Ich hatte mal daran gedacht, weil die Stimmung da noch politischer wurde \u2026<\/i><\/p>\n<p><strong>J.W.:<\/strong> Naja, es gibt ja immer relativ wenig K\u00fcnstler, die politisch sind. Wenn, dann schwimmt man mal mit. Hier in Frankreich gab es auch so eine Bewegung nach 68. Das Problem ist aber die Umsetzung. Zu einem politischen Bild zu kommen ist sehr schwer. Und den meisten f\u00e4llt nichts anderes ein, als irgendwelche Parolen abzumalen. Ich sag immer \u201eDie malen die rote Faust&#8221; und das bringt uns aber nicht weiter.<\/p>\n<p>Wir haben auch keine Tradition. Die Tradition ist eigentlich die mexikanische Wandmalerei, die aber auch eine ganz spezielle ist. Ich hab&nbsp;<span style=\"color: #2c80aa;\"><a style=\"color: #2c80aa;\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/David_Alfaro_Siqueiros\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Siqueiros<\/a>&nbsp;[<a style=\"color: #2c80aa;\" href=\"http:\/\/www.matices.de\/13\/13ksique.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">David Alfaro<\/a>]<\/span> kennengelernt. Das war eine Kunst, die eine politische Manifestation war, sich aber an Analphabeten richtete, weil die waren damals Analphabeten, die konnten also nur Bilder sehen. Daher ist die Kunst nat\u00fcrlich auch auf unsere Breitengrade sehr schwer anzuwenden. Wer so was noch konnte, war&nbsp;<span style=\"color: #2c80aa;\"><a style=\"color: #2c80aa;\" href=\"http:\/\/www.guttuso.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Guttuso<\/a>&nbsp;[<a style=\"color: #2c80aa;\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Renato_Guttuso\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Renato<\/a>]<\/span>, der auch keine Wandbilder gemalt hat, aber riesen Tafelbilder. Er hat sich eben auch explizit mit dem Mai 68 besch\u00e4ftigt. Das sind aber so schon diese Traditionen. Ich kannte zum Beispiel&nbsp;<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Julio_Le_Parc\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><span style=\"color: #2c80aa;\">Julio Leparque<\/span><\/a>, ein kinetischer K\u00fcnstler der aber in Paris mit der Maschinenpistole im Auto Revolution anz\u00fcnden wollte, sagte aber&nbsp; \u201eKunst und Politik: hat beides nichts miteinander zu tun&#8221;.&nbsp;<\/p>\n<p><i>A.G.: Nochmal zum Thema Vorbilder und Inspirationen: das Gr\u00f6pelinger Bunkerbild ist nat\u00fcrlich politische Kunst, aber es ist gleichzeitig auch ein Historienbild \u2026<\/i><\/p>\n<p><strong>J.W.: <\/strong>Das ist richtig! Das ist ja auch dann Meins. Ich ja hab dann zur\u00fcckgegriffen auf Signifikanzen, wie das Bild von&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.otto-dix.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><span style=\"color: #2c80aa;\">Otto Dix<\/span><\/a>, aus dem ersten Weltkrieg.&nbsp;<\/p>\n<p>In Bremen in der AG-Weser wurden, die im Harz vorgefertigten U-Boote zusammen gebaut. Man baute dann ja nicht unweit davon, an der Weser, diesen U-Boot-Bunker Valentin. Da sollten am Tag zwei bis 3.000 U-Boote zusammen gesetzt werden, die alle mit dem Schiff aus dem Harz kamen. Die Einzelteile wurden dort unterirdisch hergestellt, da man die U-Boote mit der Eisenbahn nicht in G\u00e4nze transportieren konnte. Die Z\u00fcge rollten auch nur nachts, ohne Licht. Damals gab es noch nicht die modernen Ortungsger\u00e4te. Hat nur Gott sei Dank alles nicht mehr funktioniert.<\/p>\n<p><i>A.G.: Und die Initiative f\u00fcr das Wandbild ganz speziell war eigentlich schon vorhanden, an der Kunsthochschule \u2026<\/i><\/p>\n<p><strong>J.W.: <\/strong>&#8230; und ich habe das dann in Form gebracht.&nbsp;<\/p>\n<p><i><a href=\"https:\/\/www.artificialis.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Waller8.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-8205 \" title=\"Bunker Gr\u00f6pelingen Ostseite (Grasbergstra\u00dfe)\" src=\"https:\/\/www.artificialis.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Waller8-295x300.jpg\" alt=\"\" width=\"330\" height=\"335\" srcset=\"https:\/\/www.artificialis.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Waller8-295x300.jpg 295w, https:\/\/www.artificialis.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Waller8-768x780.jpg 768w, https:\/\/www.artificialis.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Waller8-148x150.jpg 148w, https:\/\/www.artificialis.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Waller8.jpg 984w\" sizes=\"auto, (max-width: 330px) 100vw, 330px\" \/><\/a>A.G.: Aber die Idee, dass es die Werft sein sollte, war die auch schon da?<\/i><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"Oobj389\">\n<div id=\"Grtf379\" class=\"dfltt\">\n<div align=\"justify\"><span class=\"fsx05\" style=\"font-family: Arial;\"><strong>J.W.: <\/strong>Nein! Aber das Konzept davor, das war auch gar nicht das schlechteste. Die sind alle von T\u00fcr zu T\u00fcr gelaufen und haben gesucht, nach Bildchen von dem alten Gr\u00f6pelingen. Das Bunkerbild f\u00e4ngt ja mit der M\u00fchle an. Es hei\u00dft ja auch 1878 &#8211; 1978, das hei\u00dft also hundert Jahre Geschichte eines Stadtteils: das fing sehr idyllisch an, dann gab es als erstes die Aktiengesellschaft Weser und und und, und die ersten Segelschiffe. Das war alles prima! Und dann baute man die ersten Kriegsschiffe, eben wie in Hamburg auch. Das setzte sich nach dem zweiten Weltkrieg auch wieder fort. Das Problem war eben, man baute in der AG-Weser Riesentanker, der gr\u00f6\u00dfte Tanker war die Esso, die ich wei\u00df nicht wie viele hunderttausend Bruttoregistertonnen hatte. Aber man hatte vergessen kleinere Schiffe zu bauen und die gro\u00dfen wurden irgendwann nicht mehr ben\u00f6tigt oder wurden in S\u00fcd-Ost-Asien gebaut. Die bauen eben etwas billiger, sind auch besser subventioniert, so ging die AG-Weser pleite. Und das haben wir ja auch schon vorausgesehen. Es ist erst drei oder vier Jahre sp\u00e4ter passiert, aber da sollte man eigentlich, wenn man richtig hinguckt, die Zeichen der Zeit erkennen und sehen: das ist da zu Ende.&nbsp;<br \/>\n<\/span><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"Oobj390\">\n<div id=\"Grtf351\" class=\"dfltt\">\n<div align=\"center\"><span class=\"fsx04\" style=\"font-family: Arial;\"><i>&nbsp;<\/i><\/span><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"Oobj391\">\n<div id=\"Grtf352\" class=\"dfltt\">\n<div align=\"justify\"><span class=\"fsx05\" style=\"font-family: Arial;\"><i>A.G.: Wie hat sich der Bildaufbau an sich entwickelt? Es ist ja eigentlich ein Geschichtsfries, die Geschichte l\u00e4uft relativ linear ab.<\/i><\/span><\/div>\n<\/div>\n<div align=\"justify\">&nbsp;<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"Oobj391\">\n<div id=\"Grtf352\" class=\"dfltt\">\n<div align=\"justify\"><span class=\"fsx05\" style=\"font-family: Arial;\"><strong>J.W.: <\/strong>Ja! Das Ding ist zw\u00f6lf Meter mal neun Meter, 35 Meter mal neun Meter und nochmal zw\u00f6lf Meter mal neun. Also, es ist ein Band. Es h\u00e4tte verschiedene M\u00f6glichkeiten geben k\u00f6nnen dieses Bild zu malen: so nach Comic-Tradition. Es gibt ja immer verschiedene M\u00f6glichkeiten.&nbsp;<br \/>\n<\/span><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"Oobj394\">\n<div id=\"Grtf384\" class=\"dfltt\">\n<div align=\"justify\">\n<p><span class=\"fsx05\" style=\"font-family: Arial;\"><a href=\"https:\/\/www.artificialis.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Waller5.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-8202 \" title=\"Bunker Gr\u00f6pelingen Ecke Grasbergstrasse\/Pastorenweg: Der Winkel mit \u00d6lf\u00f6rderturm\" src=\"https:\/\/www.artificialis.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Waller5-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"252\" height=\"252\"><\/a>Nur ich hatte damals diese Idee. Es gab keine Br\u00fcche, und da es keine Br\u00fcche gab, habe ich mir gedacht, dann muss das auch so flie\u00dfend gemalt sein. Deshalb habe ich dann die beiden Winkel an den Seiten ausgenutzt. Einmal ist die Ecke ein Schiffsrumpf. Wenn man davor steht, sieht das so aus, als k\u00e4me da so ein Schiff raus. Und bei dem anderen Winkel war es, glaube ich, ein \u00d6l-F\u00f6rderturm oder wie auch immer. Und wie gesagt, es sollte flie\u00dfend sein. Das war zumindest meine Vorstellung damals, von dem wie man es machen k\u00f6nnte. Ich h\u00e4tte gerne gehabt, dass man das selbe Motiv, den selben Ablauf in drei verschiedenen Versionen malt. Aber das ist nat\u00fcrlich immer so eine Sache, erstmal gibt es den selben Bunker nicht nochmal.<\/span><\/p>\n<p>Hinzu kam, ich habe erstmal ein halbes Jahr da verbracht, das reichte mir schon, und mit so einem Haufen wild diskutierender Studenten. Ich <span style=\"font-family: Arial;\">hatte auch Studenten, die haben gemalt was ich ihnen gesagt habe, und andere, die meinten, sie m\u00fcssten jeden Handstrich mit mir diskutieren, naja \u2026<\/span><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"Oobj397\">\n<div id=\"Grtf387\" class=\"dfltt\">\n<div align=\"justify\"><i style=\"font-family: Arial;\">A.G.: Du hast eben gesagt, es gab am Anfang auch Negatives. Ich habe aber in der Literatur gelesen, dass es auch Hilfestellungen, Ratschl\u00e4ge und Korrekturen der Anwohner gab. Wie war das denn insgesamt unter der Aufsicht der Anwohner zu arbeiten? Die sind ja immer vorbei gekommen.<\/i><\/div>\n<div align=\"justify\">&nbsp;<\/div>\n<div align=\"justify\"><strong><a title=\"\" href=\"https:\/\/www.artificialis.eu\/artificialisold\/image\/gr%C3%B6pelingen3.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" title=\"Bunker Gr\u00f6pelingen Ecke Pastorenweg\/Bauh\u00fcttenstrasse Der Winkel mit dem Schiffsrumpf\" src=\"https:\/\/www.artificialis.eu\/artificialisold\/image\/obj399geo358pg27p9.jpg\" alt=\"\" width=\"288\" height=\"188\" name=\"Ggeo358\" border=\"0\"><\/a>J.W.: <\/strong>Ja, das Problem war da. Ich habe meinen Studenten erstmal beigebracht, dass sie morgens um 7 Uhr anfangen m\u00fcssen. Ich kannte das aus anderen Stadtteilen: ach der K\u00fcnstler kam mal gar nicht, dann kam er nachmittags um zwei, dann ist er um halb drei schon wieder gegangen. Ich hab gesagt: \u201eSo was gibt es bei uns nicht! Das ganze Ding wird wie ein vern\u00fcnftiger Arbeitstag, inklusive Samstag.&#8221; Da war ich meistens alleine da, weil ich dann das alles korrigieren musste, was die alles so gemalt hatten; wie gesagt, das Problem ist bei solchen<span class=\"fsx05\" style=\"font-family: Arial;\">Projekten, dass immer die schlechtesten reingehen, was ich nicht verstecken kann.<\/span><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>&nbsp;<\/div>\n<div id=\"Oobj399\">Nein, die Anwohner kamen immer und sagten \u201eDas ist h\u00e4sslich und das ist nicht sch\u00f6n und warum kommt nicht die alte Stra\u00dfenbahn&#8221; usw. usf. In verschiedenen Stadtteilen sind die K\u00fcnstler auch auf die W\u00fcnsche der Anwohner eingegangen. Das war alles eine Katastrophe. Also diese, wie sagten sie, diese Kunst von Unten, das geht nicht. Ich habe eine Verantwortung als K\u00fcnstler und ich muss vor allen Dingen weiter sein, als die anderen, sonst bringt das nichts.&nbsp;<\/div>\n<div id=\"Oobj359\">\n<div id=\"Grtf388\" class=\"dfltt\">\n<div align=\"justify\">\n<p><i>A.G.: Diese Sache, man macht sozusagen einen Arbeitstag, war das von Dir eine pers\u00f6nliche Sache, oder war das vielleicht auch um den Leuten im Stadtteil zu zeigen \u2026<\/i><\/p>\n<p><strong>J.W.: <\/strong>Die sollten sehen, dass K\u00fcnstler genauso korrekt und regelm\u00e4\u00dfig arbeiten, evt. sogar noch mehr als die Leute selbst.&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.artificialis.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Waller3.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-8200 \" title=\"Bunker Gr\u00f6pelingen Hauptseite am Postorenweg Die Geschichte der Werft und des Stadtteils vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis ins Computerzeitalter\" src=\"https:\/\/www.artificialis.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Waller3-300x211.jpg\" alt=\"\" width=\"417\" height=\"293\" srcset=\"https:\/\/www.artificialis.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Waller3-300x211.jpg 300w, https:\/\/www.artificialis.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Waller3-768x540.jpg 768w, https:\/\/www.artificialis.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Waller3-150x105.jpg 150w, https:\/\/www.artificialis.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Waller3.jpg 994w\" sizes=\"auto, (max-width: 417px) 100vw, 417px\" \/><\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"Oobj401\">\n<div id=\"Grtf361\" class=\"dfltt\">\n<div align=\"justify\">\n<p><span class=\"fsx05\" style=\"font-family: Arial;\"><i>A.G.: In dem Bild sind auch B\u00fcrger von Gr\u00f6pelingen dargestellt. War das von Anfang an so geplant? Ich habe es zumindest gelesen, dass da Anwohner drauf sind &#8230;<\/i><\/span><\/p>\n<p><strong>J.W.: <\/strong>Nein! Die abgebildeten realen Personen, das waren Widerstandsk\u00e4mpfer. Ich habe zum Beispiel Carl von Ossietzky reingebracht, nicht weil der sich in Gr\u00f6pelingen bet\u00e4tigt hatte, er war irgendwo ganz anders. Aber er war ein Synonym f\u00fcr Widerstand. Au\u00dferdem gab es&nbsp; zur gleichen Zeit in Oldenburg eine Diskussion: die wollten n\u00e4mlich ihre Universit\u00e4t Carl von Ossietzky &#8211; Universit\u00e4t nennen. Das wurde vom Wissenschaftsministerium Niedersachsen erstmal und dann von der Stadt abgelehnt. Sie haben es dann hinterher durch gekriegt. Nicht zuletzt auch durch viel Unterst\u00fctzung einer, ich sag jetzt mal, linksgerichteten Bev\u00f6lkerungsschicht.&nbsp;<\/p>\n<p>Auch waren eben die Leute drauf, die ich selbst kennengelernt habe. Menschen, die im aktiven Widerstand waren, die im KZ waren, die aber Gott sei Dank \u00fcberlebt hatten. Sie sind auch als wieder erkennbare Figuren dargestellt, damit der Widerstand wieder aus der Anonymit\u00e4t, wieder aus der Beschreibung raus geholt wird, um zu zeigen: \u201eDie da waren dabei!&#8221;<\/p>\n<p><i>A.G.: Also war es nicht so, wie ich bei dem Text den Eindruck hatte, dass es Leute waren, die immer noch in Gr\u00f6pelingen wohnten?<\/i><\/p>\n<p><strong>J.W.: <\/strong>Nein.<\/p>\n<p><i>Es waren aber historische Personen?<\/i><\/p>\n<p><strong>J.W.: <\/strong>Ja.<\/p>\n<p><i>A.G.: Und wie waren die Reaktionen darauf, das wirklich echte Widerstandsk\u00e4mpfer portr\u00e4tiert wurden?<\/i><\/p>\n<p><strong>J.W.: <\/strong>Die Leute haben ja gar nichts kapiert, das war das Drama. Das interessierte die auch gar nicht, die hatten ihre Postkarten und die Postkarten zeigten eben wirklich die alte M\u00fchle und die sagten dann \u201eMit meinen Eltern haben wir da immer Kaffee getrunken&#8221;. Das waren so deren Geschichten. Es liegt doch in der Natur der Dinge. Die Leute verdr\u00e4ngen diese Schei\u00df-Geschichte, die wollen da gar nicht dran erinnert werden. Das haben wir auch oft genug zu h\u00f6ren gekriegt. Und wie gesagt, erst als dann BBC-London da stand und die den&nbsp;&nbsp; Bunker untersucht haben, da haben die erstmal richtig hingeguckt. Vorher haben sie nur gesehen, da ist nicht die alte Stra\u00dfenbahn drauf. Und jetzt, nach 25 Jahren, da war die Reaktion nat\u00fcrlich ganz anders. Da fanden sie das Bild ganz toll. Auch weil, ich will nicht direkt sagen ein Wallfahrtsort, aber es ist sehr oft besucht. Wenn Gruppen kommen, die etwas \u00fcber Bremen erfahren wollen, werden die an dieses Wandbild gef\u00fchrt. Und dadurch sehen die Leute nat\u00fcrlich, dass es auch in irgendeiner Form eine Bedeutung hat und so haben sie langsam angefangen es zu akzeptieren.&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><i style=\"font-family: Arial;\"><a href=\"https:\/\/www.artificialis.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Waller6.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-8203 size-medium\" title=\"&quot;Den Gegenern und Opfern des Faschismus&quot; J\u00fcrgen Waller, 1984 Bunker Bremen Findorff, Admiralstrasse\" src=\"https:\/\/www.artificialis.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Waller6-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.artificialis.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Waller6-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.artificialis.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Waller6-768x575.jpg 768w, https:\/\/www.artificialis.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Waller6-150x112.jpg 150w, https:\/\/www.artificialis.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Waller6.jpg 994w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>A.G.: Und als Du das Wandbild restauriert hast, da hast Du wieder mal unter der \u201eAufsicht&#8221; der Anwohner gearbeitet. Wie war da die Reaktion?&nbsp;<\/i><\/p>\n<div id=\"Oobj410\">\n<div id=\"Grtf375\" class=\"dfltt\">\n<div align=\"justify\">\n<p><strong>J.W.: <\/strong>Positiv. Das Ding war ziemlich runtergekommen, und zwar weil man einfach die Dachrinnen nicht gepflegt hat. Es hie\u00df immer: \u201eJa, wir haben kein Geld!&#8221; Au\u00dferdem muss man dazu sagen, das es damals als ephemere Kunst angelegt war. Es war nicht abzusehen, dass sich dann so zwei drei heraus entwickelten, die eine historische, und nicht nur historisch, sondern auch eine funktionelle Bedeutung haben. Ich habe sp\u00e4ter dieses eine \u201eGegner und Opfer des Faschismus&#8221; gemalt. Das ist 24 Meter breit und 25 Meter hoch, das ist nat\u00fcrlich ein ganz anderes Bild. Das eine steht und das andere kommt jetzt unter Denkmalschutz. Auch das muss im Herbst restauriert werden. Im letzten Jahr sind aus dem Beton Steine auf Autos gefallen.<i style=\"font-family: Arial;\">&nbsp;<\/i><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"Oobj412\">\n<div id=\"Grtf390\" class=\"dfltt\">\n<div align=\"justify\">\n<p><span class=\"fsx05\" style=\"font-family: Arial;\">Daraufhin bekam der Kultursenator Druck vom Innensenator, dem diese ganzen Bunker unterstehen. Daher haben sich die Leute, als ihr Auto kaputt war oder eine Beule hatte, an den Innensenator gewandt und der hat sich dann sofort an den Kultursenator gewandt \u201eIhr m\u00fcsst renovieren&#8221;.<\/span><\/p>\n<p>Also man hat damit gar nicht gerechnet, dass die Bilder langfristig bleiben werden. Die Dinger sollten eigentlich nach drei, vier, f\u00fcnf Jahren wieder \u00fcberstrichen werden.<\/p>\n<p><i>A.G.: Die dargestellte Geschichte von Gr\u00f6pelingen endet mit dem Fries 1978, kurz bevor die Werft zumacht, in der damaligen Jetzt-Zeit. Du sagtest eben selbst, die Schlie\u00dfung ist schon angedeutet, daher war das damals hochaktuell. Wie aktuell ist es heute noch, f\u00fcr den Stadtteil?&nbsp;<\/i><\/p>\n<p><strong>J.W.: <\/strong>Gar nicht! Der Stadtteil hat sich total gewandelt.&nbsp;<\/p>\n<p>Die Bev\u00f6lkerungsstruktur hat sich insofern stark gewandelt, dass eine Mehrheit t\u00fcrkische Migranten ist. Viele der Werftarbeiter von damals haben sich selbstst\u00e4ndig gemacht. Es gab Leute, die drehten die Form f\u00fcr die Schiffsschrauben, die haben gesagt, \u201eOK Schiffsschrauben brauchen wir immer, wir sind drei Leute, wir versuchen es einfach!&#8221; Sie haben sich selbstst\u00e4ndig gemacht und kriegten Auftr\u00e4ge. Es gibt also nach wie vor sehr viel Schiffsbau, aber im Detail. Dann gibt es, da wo die AG-Weser fr\u00fcher war, ein riesen Einkaufszentrum. \u201eWaterfront&#8221; nennt sich das, weil es halt am Wasser ist. Der Stadtteil hat sich gewandelt, hat aber nach wie vor eine gro\u00dfe Arbeitslosigkeit.&nbsp;<\/p>\n<p><i>A.G.: M\u00fcsste man die Geschichte vielleicht jetzt weiterschreiben? Auf dem Bunker sind ja 100 Jahre Geschichte zu sehen, k\u00f6nnte man da nicht die n\u00e4chsten 30 Jahre bildnerisch umsetzen?<\/i><\/p>\n<p><strong>J.W.: <\/strong>Sie ist ja nicht mehr so signifikant wie eine solch gro\u00dfe Werft, in der fast jeder Bewohner Gr\u00f6pelingens gearbeitet hat, oder aus jeder Familie ein Mensch, ein Mitglied einer Familie bei AG-Weser gearbeitet hat. Das gibt es ja nicht mehr. Es gibt kleine Gesch\u00e4fte, es gibt so kleine Zwei-Mann-, Drei-Mann-Betriebe. Was soll man daraus machen? Es ist nichts aufregendes mehr passiert.&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"Oobj413\">\n<div id=\"Grtf378\" class=\"dfltt\">\n<div align=\"justify\"><span class=\"fsx05\" style=\"font-family: Arial;\"><i>A.G.: Es gibt ja in relativer N\u00e4her zum Bunker die Skulpturen \u201eZur Schicht&#8221; von 1983 von Waldemar Otto und Bernd Altensteins \u201eH\u00e4nde&#8221; von 1987. W\u00e4re das eventuell noch ein bisschen eine Fortschreibung?<\/i><\/span><\/div>\n<div align=\"justify\">&nbsp;<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"Oobj379\"><a title=\"\" href=\"https:\/\/www.artificialis.eu\/artificialisold\/image\/altenstein,bernd_hnde_1987_bgmehlersplatz_5001.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" title=\"&quot;H\u00e4nde&quot; Bernd Altenstein, 1987 Bremen Marktplatz am Pastorenweg\" src=\"https:\/\/www.artificialis.eu\/artificialisold\/image\/obj379geo380pg30p9.jpg\" alt=\"\" width=\"163\" height=\"250\" name=\"Ggeo380\" border=\"0\"><\/a><\/div>\n<div id=\"Oobj381\"><a title=\"\" href=\"https:\/\/www.artificialis.eu\/artificialisold\/image\/otto,waldemar_zur_schicht_1983_lindenhofstrae_1001.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" title=\"&quot;Zur Schicht&quot; Waldemar Otto, 1983 Bremen, Lindenhofstrasse\" src=\"https:\/\/www.artificialis.eu\/artificialisold\/image\/obj381geo382pg30p9.jpg\" alt=\"\" width=\"277\" height=\"183\" name=\"Ggeo382\" border=\"0\"><\/a><strong style=\"font-family: Arial;\">J.W.: <\/strong><span style=\"font-family: Arial;\">Nein, die kamen ja beide sp\u00e4ter. Erstmal, das Ding von Altenstein ist grausam, eigentlich m\u00fcsste man das eingie\u00dfen. Waldemar Otto hat da so seinen Clown, mit einer Aktentasche, wo fr\u00fcher die Butterbrote drin waren. Die stehen auch an Pl\u00e4tzen, die mit der AG-Weser nichts zu tun haben. <\/span><i style=\"font-family: Arial;\">&nbsp;<\/i><\/div>\n<div id=\"Oobj385\">\n<div id=\"Grtf393\" class=\"dfltt\">\n<div align=\"justify\">\n<p><span class=\"fsx05\" style=\"font-family: Arial;\"><i>A.G.: Jetzt nochmal etwas ganz allgemeines: Du hast ja vor 68 und bis 78 auch schon politische Kunst gemacht, von daher ist es nicht ganz \u00fcberraschend gewesen, das Du an so einem Bild gearbeitet hast. Aber es waren Tafelbilder. Gibt es trotzdem in Deinem Werk eine Linie?&nbsp;<\/i><\/span><\/p>\n<p><strong>J.W.: <\/strong>Nat\u00fcrlich gibt es eine Linie!&nbsp;<\/p>\n<p><span class=\"fsx05\" style=\"font-family: Arial;\"><a href=\"https:\/\/www.artificialis.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Waller9.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-8206 size-full\" title=\"Aus dem Zyklus &quot;Im Namen des Vokes. Der Leidensweg des Erwin K\u00f6nig.&quot; Portr\u00e4t Erwin K\u00f6nig J\u00fcrgen Waller, 1971\" src=\"https:\/\/www.artificialis.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Waller9.jpg\" alt=\"\" width=\"162\" height=\"218\" srcset=\"https:\/\/www.artificialis.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Waller9.jpg 162w, https:\/\/www.artificialis.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Waller9-111x150.jpg 111w\" sizes=\"auto, (max-width: 162px) 100vw, 162px\" \/><\/a><\/span>Nein, das Problem ist einfach, ich habe bis 68 hier [in Vallauris] und in Paris oder in Varreddes gearbeitet und bin dann eben 68 nach Berlin gegangen. Und da ist dann <span style=\"font-family: Arial;\">schon ein Bruch, weil in Westberlin kriegte man das ja Hautnah mit. Wenn ich meine Bilder ausstellen wollte, bekam ich gesagt \u201eDann geh doch nach dr\u00fcben!&#8221; Die Reaktionen waren ganz anders. Hier gab es eine starke KP, das war hier kein Schimpf und Schande, bei uns ja.&nbsp;<\/span><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"Oobj417\">\n<div id=\"Grtf395\" class=\"dfltt\">\n<div align=\"justify\"><span class=\"fsx05\" style=\"font-family: Arial;\">Ich hatte ja dann 71 meine erste Ausstellung in Tempelhof. Erstmal gab es da einen Zyklus, da hat man mir geraten, den nicht aufzuh\u00e4ngen. Da habe ich meinen Zeitungsboten portr\u00e4tiert, war auch so ein alter Antifaschist, der mir jeden Tag die Mini-Prawda brachte. Den habe ich gemalt und den habe ich seine Geschichte erz\u00e4hlen lassen. Da hat man mir schon geraten, den Zyklus lieber nicht in die Ausstellung zu geben. Und da hab ich noch \u201eOK&#8221; gesagt .&nbsp;<br \/>\n<\/span><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>&nbsp;<\/div>\n<div id=\"Oobj419\"><span style=\"font-family: Arial;\"><a title=\"\" href=\"https:\/\/www.artificialis.eu\/artificialisold\/image\/Reitet%20fuer%20das%20Kapital.gif\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" title=\"&quot;Reitet f\u00fcr das Kapital&quot; J\u00fcrgen Waller, 1971\" src=\"https:\/\/www.artificialis.eu\/artificialisold\/image\/obj393geo394pg30p9.gif\" alt=\"\" width=\"337\" height=\"224\" name=\"Ggeo394\" border=\"0\"><\/a>Dann, nach drei Tagen, bekam ich einen Anruf, dass sie den Neckermann abh\u00e4ngen m\u00fcssten, weil die J\u00fcdische Gemeinde, Herr Galinski an vorderster Front, h\u00e4tte in dem Bild antisemitische Z\u00fcge erkannt. Ich hatte nun aber das Gl\u00fcck, dass einer der wichtigsten deutschen Kritiker damals, Heinz Ohff, mir das Vorwort f\u00fcr den Katalog geschrieben hat. So habe ich dann auch gleich eine einstweilige Verf\u00fcgung bewirkt. Das ging hin und her. Auch da war es wieder so, dass das Bild im Keller war, aber wenn die Presse kam, wurde es wieder aufgeh\u00e4ngt, damit man sehen konnte, was es f\u00fcr ein schlimmes Bild ist. So schoss sich die Presse auf einmal auf das Bild ein, aber positiv. In dem Zusammenhang gab es eine gro\u00dfe Versammlung und da hie\u00df es auch, solche Bilder wollen wir hier nicht sehen, die k\u00f6nnen sie da dr\u00fcben ausstellen. Ich sagte: \u201eDa dr\u00fcben wollen die die auch nicht.&#8221; [Lacht herzlich]<\/span><i style=\"font-family: Arial;\"> <\/i><\/div>\n<div>&nbsp;<\/div>\n<div><span style=\"font-family: Arial;\">Ja ich hatte dann, 1987 war das, im alten Museum in Ost-Berlin [Galerie neue Meister] , die erste gro\u00dfe Einzelausstellung eines Westdeutschen K\u00fcnstlers. Es gab vorher eine, da waren zehn K\u00fcnstler beteiligt, die wurde veranstaltet von, wie hie\u00df dieser Verein, es gab ja keine Botschaft, aber von der st\u00e4ndigen Vertretung in Ost-Berlin. Das waren Kiefer, L\u00fcppertz, Polke, Richter usw. usf. Dann kam meine. Und als sie sie gesehen haben, insbesondere, dass die Bilder sie etwas angehen, da haben sie die Ausstellung fast verschwinden lassen.&nbsp;<\/span><\/div>\n<div id=\"Oobj425\">\n<div id=\"Grtf400\" class=\"dfltt\">\n<div align=\"justify\">\n<p>Nein, wie gesagt, zwischen Paris und West-Berlin war schon eine ganz andere Situation.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"Oobj428\">\n<div id=\"Grtf411\" class=\"dfltt\">\n<div align=\"justify\">\n<p><span class=\"fsx05\" style=\"font-family: Arial;\"><i>A.G.: Wie Du sagst hast Du Deinen Brieftr\u00e4ger portr\u00e4tiert, der Antifaschist war, dann ist das ein Motiv, dass auch in Gr\u00f6pelingen wieder auftaucht.<\/i><\/span><\/p>\n<p><strong>J.W.: <\/strong>Jaja!<\/p>\n<p><i>A.G.: Das ist irgendwie nicht ganz \u00fcberraschend, kann man sagen. Das ist schon irgendwie eine Linie?<\/i><\/p>\n<p><strong>J.W.: <\/strong>Ja! Hier waren die Bilder alle sehr blockhaft, Einzelfiguren, aber das waren auch mehr Stereotypen. Und das hat sich in Berlin total ge\u00e4ndert.&nbsp;<\/p>\n<p><i>A.G.: Man k\u00f6nnte also abschlie\u00dfend feststellen, dass es bei Dir eine Entwicklung von sozial-politisch motivierter Malerei vor 1968 in Frankreich, \u00fcber politische Tafelbilder ab 1968 in Berlin, hin zur ersten Historien-Wandmalerei seit dem 2. Weltkrieg im ehemaligen Westdeutschland gab. Da scheint es auch kein Zufall zu sein, dass sich gerade dieses Gem\u00e4lde im \u00f6ffentlich Raum, genauer auf der Stra\u00dfe auf einem Bunker und nicht in irgendeinem Verwaltungsbau befindet, oder?<br \/>\n<\/i><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"Oobj429\">\n<div id=\"Grtf412\" class=\"dfltt\">\n<div align=\"justify\"><span class=\"fsx05\" style=\"font-family: Arial;\"><strong><a title=\"\" href=\"https:\/\/www.artificialis.eu\/artificialisold\/image\/Paix.gif\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" title=\"&quot;Paix en Algerie&quot; J\u00fcrgen Waller, 1961\" src=\"https:\/\/www.artificialis.eu\/artificialisold\/image\/obj431geo388pg30p9.gif\" alt=\"\" width=\"289\" height=\"200\" name=\"Ggeo388\" border=\"0\"><\/a>J.W.: <\/strong>Meine ersten politischen Bilder sind 1961 in Frankreich gegen den Algerienkrieg entstanden. Das war so: mein erster Schwiegervater war ein hoher Funktion\u00e4r in der KP. Der nahm mich mit, um Plakate gegen den Algerienkrieg zu kleben. Ich war damals ein-, zweiundzwanzig und f\u00fcr mich als Deutschen waren die Kriege damals vorbei. Hier kam ich dann in die Situation, dass Frankreich zwar Krieg f\u00fchrte, aber auch irgendwo ganz woanders, und dass es Leute gab, die sich gegen den Krieg gewehrt haben. Ich war zwar schon vorher politisiert, aber das hat dann nochmal so einen Kick gegeben, sich intensiv mit Kolonialismus zu besch\u00e4ftigen. In Deutschland gab es das nur in extrem kleinem Ma\u00dfe. Wir haben ja keinen Krieg mehr gehabt, wir waren ja gl\u00fccklich mit dem Wiederaufbau, wir hatten die ersten Jahre unseres sogenannten \u201eWirtschaftswunders&#8221;, wir <span style=\"font-family: Arial;\">konnten wieder reisen. Ich kam nach Frankreich und h\u00f6rte in jedem dritten Satz \u201eSale Bosch&#8221;. Ich hab dann gesagt \u201eIch kann da leider nichts dazu&#8221;. Dann habe ich angefangen zu diskutieren, dass ich leider, nein, dass ich Gott sei Dank nichts dazu kann. Ich kannte noch nicht das Wort, dass hat ja Kohl gepr\u00e4gt, \u201edie Gnade der sp\u00e4ten Geburt&#8221;. Ich h\u00e4tte denen das so um die Ohren gehauen, ich hatte damit nichts zu tun. Was mein Vater gemacht hat, da kann ich nichts zu sagen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er jemanden umgebracht hat, aber was die erlebt haben, ich wei\u00df es nicht. Was die gesehen haben, was sie nicht erz\u00e4hlen durften, wei\u00df ich auch nicht. Aber ich konnte versuchen, diese Geschichte auf dem Bunker zu erz\u00e4hlen, dort, wo es jeder sehen kann.<\/span><\/span><\/div>\n<div align=\"justify\">&nbsp;<\/div>\n<div align=\"justify\"><i>A.G.: Vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch!<\/i><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"Oobj434\">\n<div>&nbsp;<\/div>\n<div id=\"Grtf416\" class=\"dfltt\"><span class=\"fsx05\" style=\"font-family: Arial;\"><i>Das Interview wurde am 9. Juli 2010 gef\u00fchrt.<\/i><\/span><\/div>\n<\/div>\n<div>&nbsp;<\/div>\n<div>Quelle Fotos: <span style=\"color: #2c80aa;\"><a style=\"color: #2c80aa;\" href=\"http:\/\/www.kunst-im-oeffentlichen-raum-bremen.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.kunst-im-oeffentlichen-raum-bremen.de<\/a><\/span> oder Katatog &#8220;J\u00fcrgen Waller 1958-1982&#8221;<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>J\u00fcrgen Waller \u201eDie Leute wollen da gar nicht dran erinnert werden.&#8221; Republished interview from July 2010 J\u00fcrgen Waller, Maler, Keramiker und Objektmacher hat 1978 im Bremer Stadtteil Gr\u00f6pelingen mit Studierenden der Bremer Hochschule f\u00fcr K\u00fcnste drei Au\u00dfenw\u00e4nde des Bunkers Pastorenweg gestaltet. Das Thema ist die Geschichte des Stadtteils Gr\u00f6pelingen und der Werft AG-Weser von 1878&#8230;&nbsp;(<a href=\"https:\/\/www.artificialis.eu\/?p=8197\">read more<\/a>)<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":8204,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[1867],"tags":[1945,1939,1941,837,1946,1940,1938,1944,1943,60,1942,1947],"class_list":["post-8197","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-interviews","tag-ag-weser","tag-bremen","tag-bunker","tag-germany","tag-gropelingen","tag-interview","tag-jurgen-waller","tag-monumental-painting","tag-public-space","tag-vallauris","tag-wall-painting","tag-wandbild"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.artificialis.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8197","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.artificialis.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.artificialis.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.artificialis.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.artificialis.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8197"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.artificialis.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8197\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.artificialis.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/8204"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.artificialis.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8197"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.artificialis.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8197"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.artificialis.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8197"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}